Crossmediales Publizieren · Nr. 8/2008

Informationen und Tipps zum Electronic Publishing und zur Anwendung von XML

 

Editorial
E-Books – egal ob als Hardware "E-Book-Reader" oder als Software "E-Book-Edition" – waren das Hypethema der Frankfurter Buchmesse! Dass dort allerdings weniger als 50% der angebotenen Produkte Bücher gewesen sein sollen, war vor Ort keineswegs nachvollziehbar. Dennoch war in allen Foren und bei vielen Verlagen – gerade auch in Halle 4.2 bei den Fach- und Wissenschaftsverlagen – sehr viel von E-Books und ihren Vorteilen die Rede.
Unsere Veranstaltungen zum crossmediales Publizieren und die Expertengespräche waren jedenfalls gut besucht. Wir bedanken uns bei allen, die vorbei geschaut haben, um sich an den Diskussionen zu aktuellen Themen zu beteiligen!
Ihre Ursula Welsch

 

Inhalte
–  E-Publishing Hardware:
    E-Book-Reader auf der Buchmesse
–  Neues Datenformat:
    IDPF stellt epub vor
–  E-Book-Produktion:
    epub mit Adobe InDesign erstellen
–  Buchrezension:
    "Gutenberg 2.0 – Die Zukunft des Buches"

 

Seminartermine der XML-Schule:
     13.–14.11.2008 Effektive XML-Workflows mit Adobe InDesign (CS3) (Es sind noch Plätze frei!)
     16.–17.12.2008 Satzerstellung mit XSL-FO
Die Seminartermine für das Jahr 2009 stehen bereits online!

 

<<<<< E-Publishing Hardware: >>>>>
E-Book-Reader auf der Buchmesse

Das beherrschende Buchmessenthema in der Presse waren die E-Book-Reader – insbesondere der Kindle von Amazon und der Sony Reader PRS505. Der Versuch sich selbst zu überzeugen, wie diese Geräte funktionieren und wie gut die Displays wirklich sind, war allerdings mit einiger Findigkeit verbunden, da weder Amazon noch Sony ihre Geräte selbst vorstellten, sondern nur deren Einführung für den Beginn des kommenden Jahres ankündigten.
Auf Nachfrage konnte man den Sony Reader bei dem einen oder anderen Verlag zu sehen bekommen, aber nur iRex war für die Präsentation ihres iLead mit einem eigenen Stand in Halle 4.2 vertreten.
Als ein Gerät der nächsten Generation wurde der Readius von Polymer Vision in einem Vortrag am Forum Innovation vorgestellt. Das Besondere an diesem Gerät ist die Kombination von Handy und E-Book-Reader mit einer klappbare Folie als Display. Allerdings war seine Einführung bereits für Sommer diesen Jahres angekündigt und verzögert sich nun bis Anfang nächsten Jahres – wobei das komplett rollbare Display nicht vor 2010 auf den Markt kommen wird.
Das einzige Exemplar des Kindle, das ich auf der Messe entdeckt habe, war bei dem Electronic-Publishing-Dienstleister SHI zu finden. Diese zeigten, dass man auch über die USB-Schnittstelle oder über eine Flashcard HTML-Daten auf dem Kindle anzeigen kann – und nicht nur die direkt bei Amazon gekauften angepassten Mobipocket-Daten.
Und noch ein weiteres Gerät schiebt sich langsam als E-Book-Reader in den Fokus: Apples iPhone mit seinem innovativen Bedienkonzept. Der Bildschirm ist kleiner als bei den anderen Readern – aber dafür mit Farbe und gestochen scharf! Die E-Books des Walhalla Verlags – juristische Ratgeber und Gesetze – ließen sich ausgezeichnet damit lesen!
Neben den vorwiegend positiven Stimmen, die in den Medien vornean gestellt wurden, hörte man zwischen den Messeständen doch auch die Meinung, dass der Markt immer noch nicht reif sei, um die E-Book-Umsätze der Publikumsverlage aus der Promillezone zu holen. Wir werden die Entwicklung weiter für Sie beobachten und sind schon sehr gespannt, wie es weiter gehen wird!

 

<<<<< Neues Datenformat: >>>>>
IDPF stellt epub vor

Am zweiten Messetag stellte das International Digital Publishing Forum (IDPF) in einer "Digital Lunch" genannten Pressekonferenz das E-Book-Datenformat epub vor. Dieses Datenformat hat das Zeug, neben dem layoutgebundenen PDF-Format das Standardformat für die flexible Darstellung von E-Books zu werden – und das auch für alle barrierefreien Systeme.
Schon jetzt ist epub nativ – also direkt und ohne weitere Konvertierung – darzustellen mit dem Sony Reader PRS-505, den Adobe Digital Editions und dem Stanza Reader, einer kostenlosen Zusatzsoftware für das iPhone. Und es werden sicherlich noch Weitere folgen.
Das epub-Format setzt sich zusammen aus drei vorhandenen Standards, die in den letzten Jahren vom IDPF erarbeitet wurden – nämlich:
– Open Publication Structure (OPS) für die Strukturierung bzw. Präsentation der Inhalte,
– Open Packaging Format (OPF) für die Festlegung aller zur Publikation gehörigen Komponenten einschließlich der Navigationsstrukturen und
– Open Container Format (OCF) für die Beschreibung, wie alle Komponenten in eine Datei gepackt werden.
Die Darstellung der Inhalte mit OPS greift ihrerseits auf vorhandene Standards zu – nämlich auf XHTML und die DTBook DTD des DAISY/NISO Standards, der z.B. auch Fußnoten bietet.
Ein Bericht über die Pressekonferenz in nun bei der IDPF online.

 

<<<<< E-Book-Produktion: >>>>>
epub mit Adobe InDesign erstellen

Wenn das E-Book-Format epub ein Erfolg werden soll, dann muss es ebenso einfach herzustellen sein wie das PDF-Format – denn sonst wird es von den Verlagen und Inhaltelieferanten nicht akzeptiert. Nun gibt es natürlich bereits etliche Dienstleister, die sich des Formats annehmen und einen entsprechenden Service anbieten.
Aber es könnte auch einfacher gehen: Bereits seit CS3 gibt es in Adobe InDesign eine Exportmöglichkeit für das epub-Format. Sie versteckt sich im Menü "Datei" unter "Medienübergreifender Export". Dabei wird allerdings gleich die Containerdatei *.epub erzeugt. Wenn man in die Daten selbst eingreifen will z.B. für eine Anpassung der Navigation, dann muss man die entsprechende Datei manuell extrahieren und anschließend bearbeiten.
Aber wir stehen ja noch am Anfang dieser Entwicklung und werden sehen, mit welcher Qualität und welchem Komfort Adobe diese Funktion ausstatten wird.
Unser InDesign-Experte Norbert Goschin hat den Export mit einem Dokument, das Fußnoten enthält, ausprobiert. Die Fußnotenziffer im Text wird dabei mit der Fußnote am Ende des Dokuments verlinkt und auch die Fußnotenziffer der Fußnote ist mit der Stelle im Text verlinkt, an die sie gehört. Das hat prima funktioniert, aber wie man anderenorts hört, ist das nicht in allen Fällen so.
Weitere Informationen finden Sie bei
Adobe. Siehe auch unser Seminar "Effiziente XML-Workflows mit Adobe InDesign" am 13.-14. November 2008.

 

<<<<< Buchrezension: >>>>>
"Gutenberg 2.0 – Die Zukunft des Buches"

Fast könnte man sich ärgern, dass bereits im Titel wieder einmal auf die tief sitzende Angst vor der Substitution unseres altehrwürdigen gedruckten Buchs angespielt wird. Denn schließlich ist sich die Branche ziemlich einig, dass das Buch keineswegs verdrängt werden wird – so wie Hörbücher unsere Publikationslandschaft bereichern, so werden auch E-Books und sonstige elektronische Publikationsformen dies tun – und zwar neben dem Buch.
Aber tatsächlich fasst der schmale Band von Michael Roesler-Graichen den aktuellen Stand und die laufende Diskussion optimal zusammen und bietet Beiträge zu allen relevanten Themen rund ums E-Book: Von der Digitalisierung und den Datenformaten über die Hardware hin zur Marktsituation und zur Rechtslage. Sogar einen Beitrag über das Lesen am Bildschirm gibt es und wie man es damit leichter haben könnte!
Aus meiner Sicht ein absolut gelungener Reader, den jeder haben sollte, der sich im Augenblick mit E-Books befassen muss!
Ganz seinem Thema gemäß ist der Reader sowohl als Buch als auch als E-Book erschienen und ist zu beziehen über die MVB.
Michael Roesler-Graichen: "Gutenberg 2.0 – Die Zukunft des Buches. Ein aktueller Reader zum E-Book", hgg. von Ronald Schild, MVB 2008, 19,90 €.

 

Impressum
Ursula Welsch
Tachenseestr. 2
D-83373 Taching am See
Tel. +49-(0)8681-47 18 52
E-Mail: ursula.welsch @ welschmedien.de
Dies ist der monatliche Newsletter von <ursula welsch.neue medien> und der XML-Schule.
Im Newsletter „Crossmediales Publizieren“ berichten wir für Sie über neueste Entwicklungen und Erfahrungen aus der crossmedialen Verlagspraxis und weisen auf die aktuellen Termine der XML-Schule hin.
Dieser Newsletter darf als Ganzes jederzeit weiter verteilt werden. Sollten Sie Auszüge daraus übernehmen wollen, ist aus urheberrechtlichen Gründen eine gesonderte Genehmigung erforderlich.
Unser Newsletter-Archiv finden Sie sowohl unter <ursula welsch.neue medien> als auch unter XML-Schule.
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